Hase. Im Blindflug. Kreatives schreiben – Teil 2.

Ihr Lieben,

in meinem letzten Blogeintrag hatte ich es schon angedeutet: Ich habe erneut an der Tagung des Segeberger Kreises teilgenommen, die dieses Jahr zum Glück wieder in Präsenz stattfinden konnte. Dieses Mal sind wir im Harz, in der Tagungs- und Begegnungsstätte Kloster Drübeck unter dem Thema Ich hätte singen sollen… Jetzt: Lyrik zusammengekommen und haben dort gemeinsam in verschiedenen Gruppen geschrieben.

In den Segeberger Briefen, der vom Verein verlegten Zeitschrift für Kreatives Schreiben, fanden sich wie üblich bereits einige Vorschläge für Schreibgruppen, denen man sich während der Tagung anschließen konnte. Oft kommen aber einige der Gruppen gar nicht zustande, dafür entstehen spontan neue. So auch dieses Mal.
Eine Teilnehmerin schlug vor, sich der Lyrik über das Zusammenspiel von Gestaltung und Schreiben anzunähern. Zu dieser Idee konnte ich natürlich unmöglich Nein sagen und einige andere zu Glück auch nicht. Und das war der Auftakt zu einem wunderbar kreativen Wochenende, das für mich gut und gerne hätte noch ein paar Tage länger gehen können! 😀

Als hätten wir es bereits geahnt, hatte lustigerweise jede von uns Teilnehmerinnen etwas zum Zeichnen und Gestalten mitgebracht, so dass wir uns an einem großen und bunten Fundus an Stiften, Zeitschriften, alten Kalendern mit literarischen Texten, Zeichenblättern, Klebestiften, Scheren etc. bedienen konnten.

Gleich zu Beginn haben wir uns entschlossen, von unserem reichlichen Gabentisch erst einmal ganz bescheiden ein, höchstens zwei Materialien auszuwählen und damit spontan etwas zu gestalten. Das so entstandene Werk wurde dann getauscht und in einem zweiten Schritt von der nächsten Person skizziert. Nun wurde wiederum die Skizze weitergegeben.
Im nächsten Schritt haben wir in die erworbene Skizze fünf beliebige Wörter geschrieben, dann wurde die Skizze ein weiteres Mal weitergereicht.

Zu guter Letzt hat uns dieses Wort- und Bildgeschenk als Impuls gedient, um einen kleinen lyroiden (Wortschöpfung der Gruppe) Text zu schreiben.
Und wie Ihr euch vielleicht schon denken könnt, handelt es sich in meinem Fall um den Text, der wiederum die Linie in meinem Visual-Poetry-Bild aus dem letzten Blogbeitrag bildet:

Unwetter

Im Auge des Sturms
gehen die Lichter aus
und du greifst nach jedem Strohhalm
ins Leere.
Im stillen Zentrum des Hurrikans
verblasst die Hoffnung zur leise lächelnden Schimäre.

In einer anderen Schreibübung haben wir uns je ein konkretes und ein abstraktes Substantiv überlegt und diese in zwei Lostöpfen gesammelt. Im Anschluss hat jede von uns aus beiden Töpfen ein Wort gezogen, so dass wir alle ein Binom schräger Wortkombinationen geschenkt bekamen, ich zum Beispiel Gorgonzola und Dogmatik.
Nun hat jede mit einem Satz oder ein paar Stichpunkten ein Bild skizziert, das bei der Verknüpfung der beiden Worte spontan in uns aufkam:

Dr. Gorgonzola hob den Zeigefinger und rief: „Das stinkt mir!“

Dieses Bild haben wir im nächsten Schritt jede für sich gestaltet, um dann davon inspiriert einen weiteren lyroiden Text oder – wie im meinem Falle – vielleicht so etwas ähnliches wie konkrete Poesie zu verfassen:

Im Verlauf der Tagung haben wir natürlich auch gestaltend und schreibend das Gelände erkundet.
Wir haben uns mit Block und Stift aufgemacht und haben uns ein Objekt oder eine Szenerie ausgewählt. Das vor uns liegende Bild haben wir dann fixiert und ohne den Blick abzuwenden quasi blind auf den Block skizziert und im Weiteren dazu geschrieben. Ein weiteres Objekt haben wir uns zuerst eingeprägt und dann mit geschlossenen Augen skizziert und dazu geschrieben.

Hier als Beispiel meine halb-blinde Variante 😀 :

Du, der du 
da hängst & schweigst
in der Umarmung deiner Dornen.
Was du wohl denkst,
der du da hängst
hinter verschränkten Ästen,
so sehr verworren.
Der du da hängst,
warst so wie wir geboren
& gingst dahin
& andere begannen dann
von vorn(en..).

Aus dem komplett blind gezeichneten Bild und Text haben wir dann noch einzelne Bild- und Wortelemente entnommen, um noch einmal einen dichteren Text zu schreiben:

In einer weiteren spannenden Schreibaufgabe haben wir uns vorgenommen, ein Gedicht, das eher auf der sinnlichen bzw. Wahrnehmungsebene stattfindet, auf eine metaphorische Ebene zu verschieben.
Als Ausgangstext wählten wir Lied (Im Grase war ein Tier) von Robert Gernhardt. Wir stellten uns frei, ob wir erst etwas gestalten und dann etwas schreiben wollten oder umgekehrt oder beides im stetigen Wechsel. Ich entschied mich für die erste Variante und bastelte – welche Überraschung 😉 – zuerst eine Collage und ließ mich davon zu einem Gedicht inspirieren:

Hasengesang

Zwischen uns schwirrt der Raum,
ein Fragengetüm,
du, ich, du, bin ich du
du mich?
Dein Fell schimmert im Spektrum
irgendwo bei Rot,
stirbst du an mir, sterb' ich an dir?
In unseren Augen begegnen wir uns
lebendig.

Ich könnte hier noch weiter schreiben… über die anderen Schreibaufgaben, die wir uns gestellt haben oder über die tollen Texte, die wir am Abschlussabend von den Teilnehmer*innen der verschiedenen Gruppen gehört haben. Doch ich will heute hier an dieser Stelle schließen und alle, die mehr wissen wollen, auf den nächsten Segeberger Brief verweisen, der in Bälde erscheinen wird, gefüllt mit den ausführlichen Berichten aller Schreibgruppen inklusive vieler anregender Schreibaufgaben und dazugehörigen Textbeispielen.

Ich hoffe sehr, Ihr fühlt euch von den Schreibimpulsen meiner letzten beiden Blogbeiträge ein bisschen inspiriert und kommt darüber ins Schreiben. Ich wünsche Euch auf jeden Fall viel Spaß dabei und freue mich natürlich, falls Ihr ein paar eurer Ergebnisse mit mir teilt.

Bis dahin
alles Liebe und bis bald!

Eure Mo…

1 Kommentar zu „Hase. Im Blindflug. Kreatives schreiben – Teil 2.“

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