Ursprung

Ursprünge, Anfänge & ich

Tatsächlich gibt es der Ursprünge und Anfänge recht viele. Je nachdem wie weit man zurück gehen möchte…

Ganz am Anfang war ja bekanntlich das Wort.


Das Huhn legt hier mal eben ein Veto ein (während das Ei noch immer zustimmend nickt). Es meint, es hätte ja wohl vorher zumindest einen Mund geben müssen, der das Wort ausgesprochen oder eine Hand, die es aufgeschrieben hat.
Das sind auch nur Wörter.“, entgegne ich, woraufhin das Huhn ziemlich unflätig wird.

Aber darauf werde ich auf keinen Fall näher eingehen.


Wo war ich?

Am Anfang, genau. Da war dieses Wort. Und dann noch eines und noch eines und noch viele mehr.

Mo…Saik war eines davon. Und damit fing es wohl an für mich.

Jetzt bin ich da. Jetzt atme, fühle, denke und schreibe ich. Und lebe. Wobei das alles für mich ein bisschen das gleiche ist.

Und wer ist dieses Ich, diese Mo…Saik?

Sie ist ein Alter Ego, ein Kunst-Ich.
Oder ein
Künstler*Innen-Ich? Genau das gilt es aber noch herauszufinden…

Jedenfalls: 

Ich, Mo…saik, bin Mo…, wenn sie schreibt, näht, bastelt oder andere kreative Dinge treibt.

Und nun eben auch, wenn sie bloggt.

Aber warum mache ich das eigentlich?

Eine Antwort ist, dass ich das schon immer mal probieren wollte. Die andere Antwort ist, dass wir im Rahmen des Masterstudienganges Biografisches und Kreatives Schreiben an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin im Modul Kulturgeschichte des Schreibens/ Schreiben in digitalen Medien die Wahl haben, ob wir als Prüfungsleistung eine ca. 10-seitige schriftliche Hausarbeit verfassen wollen oder ob wir 12 Wochen lang über ein Thema unserer Wahl bloggen wollen, inklusive einer schriftlichen Reflektion im Anschluss.

Da ich es also schon immer mal probieren wollte und ich mir außerdem zu Beginn des Studiums vorgenommen hatte, immer die größeren Herausforderungen anzunehmen, um so viele wertvolle Erfahrungen wie möglich mitzunehmen, blogge ich nun mal eben.

Und worum soll es gehen?

Getreu dem Seitennamen „Mo…Saiks Runen – Es geschehen noch Zeichen und Spuren“ möchte ich über das Leben und das Schreiben bloggen, über die Spuren, die beide in uns hinterlassen, die wir aber auch in ihnen hinterlassen.

Inspiriert ist diese Idee von Alan Walls Roman Die geheime Gesellschaft.
Das Buch wurde 1998 in Deutschland herausgebracht, hat aber kaum Aufmerksamkeit erregt. Mir fiel es Anfang 2000 als Leseexemplar in die Hände und nach der Lektüre war ich nicht nur sehr bewegt, sondern auch einmal mehr davon überzeugt, dass Bücher manchmal genau dann zu einem kommen, wenn man sie am dringendsten braucht.
Ich glaube tatsächlich, dass dieser Roman mir dabei geholfen hat, meine Gefühle nach einer schmerzhaften Verlusterfahrung besser zu verstehen und mit ihnen umzugehen. Insbesondere der Auszug aus einem Buch, das Alan Wall eigens für seinen Roman erfunden zu haben scheint, hat sich mir in besonderer Weise eingeprägt:


«Lesen Sie das», sagte sie, «damit können Sie anfangen.»
Ich blickte auf das Buch in meinen Händen und schlug die Titelseite auf:

Die kraftspendende Wunde
Eine Meditation über die Erinnerung

von
Giles Astley
1907

[…]
In die Wohnung zurückgekehrt, schlug ich Astleys Buch auf und begann zu lesen:

Mit dem Genie des Dichters begann John Keats Den Fall des Hyperion am Tempel der Mnemosyne. Sie, die Mutter aller neun Musen, ist eine Göttin, die geichzeitig gibt und nicht vergibt. Keats nennt sie «das bleiche Omega einer verwelkten Gattung» – eine Zeile von Schönheit durchdrungen und zugleich außerordentlich treffend, denn Erinnerung besteht aus den Schriftzeichen, die in unser Inneres eingeritzt sind. Das Alphabet des Gedenkens wird durch Traumata geprägt – das Trauma der Freude ebenso wie das Trauma des Schmerzes.
Jede Erfahrung, die zu groß ist, um die Tore des wachen Verstandes mühelos zu durchschreiten, fügt eine Wunde zu. Diese Wunde hat etwas Runenhaftes; den Inschriftenschatz, der die Gesamtheit all dieser Wunden ausmacht, nennen wir Erinnerungen. In geschriebener Form ist sie eine vom Körper des ursprünglichen Opfers befreite Erinnerung: eine Erinnerung, aus welcher derjenige, der sie aufgezeichnet hat, verschwunden ist. Was fortbesteht, sind nicht die mit der Erinnerung verbundenen Personen, sondern die Ablagerungen, die uns später zurückbleiben. In diesem Sinne ist Erinnerung nichts anderes als Geschichte, und als solche muß sie als die Vorgeschichte umspannend verstanden werden, wenn man die Kritzeleien und Einkerbungen auf Steinen am Rande düsterer Moore als Proto-Alphabet betrachtet, als die ersten, unbeholfen gestalteten Buchstaben einer Kinderschrift…

Alan Wall: Die geheime Gesellschaft, S.93f.


Diese Idee, dass die teils sehr intensiven Erfahrungen des Lebens sich quasi in uns einschreiben und wir sie aber wiederum aus uns herausschreiben, also aus Erinnerungen Geschichte machen können, hat damals Spuren in mir hinterlassen und außerdem passt sie natürlich hervorragend zum Studium des Biografischen und Kreativen Schreibens.

Insofern möchte ich in diesem Blog also das Thema Lebens- und Schreibzeichen aufgreifen…

Wer aber über Zeichen schreiben möchte, sollte sie auch erkennen, wenn sie einem begegnen.

Mir lief während der Planung für diesen Blog eines über den Weg.
Es hat meiner Spurensuche eine unverhofft andere Richtung gegeben. Vielleicht muss ich jetzt mutiger sein, aber mit diesem Zeichen soll mein Blog nun beginnen…

4 Gedanken zu “Ursprung”

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