Woche 4: Über Lektionen vom Universum & die Arbeit am Meisterstück

Ich bin in Woche 5 und wollte längst mein Fazit zu Woche 4 geschrieben haben. Wenn ich nur Zeit fände. Aber ich finde sie nicht. Gefühlt sind die beiden Schnecken oben schneller als ich, denn ich falle im Zeitplan immer mehr zurück. Und um das Ganze noch zu erschweren, geht seit fast 2 Wochen mein Internet nicht.

Ich bräuchte also Zeit und Internet. Ersteres ist knapp und letzteres gibt es gar nicht, außer ich suche mir ein Café mit W-Lan. Wenn ich nur die Zeit dafür hätte…

unterwegs
Unterwegs

Ich bin gerade viel unterwegs. Die Zugfahrten lassen sich normalerweise zum Arbeiten nutzen, vorausgesetzt es fahren nicht wie gestern 2 Schulklassen mit…

Du kennst das sicher auch, in solchen Phasen geht dann gefühlt alles schief: Die Pause fällt flach, weil die Prezi nicht lädt… Macht nix. Im Improvisieren bin ich großartig, ermuntere ich mich. Die angemeldeten Teilnehmer meines Kurses kommen nicht. Ist doch nicht schlimm, dass ich umsonst Zeit und Arbeit investiert habe, denke ich. Und schlucke runter, wie verärgert ich eigentlich bin. Ist schon okay, beruhige ich mich selbst. Aber ist es das wirklich? In Wahrheit fühle ich mich nicht okay. Ich bin sauer, frustriert und genervt. Ich will, dass die Dinge funktionieren, ich will Zeit und ich will Internet! Aber ich gehe darüber hinweg und ignoriere meine Bedürfnisse…

Ich frage mich, ob es vielleicht so etwas wie Anti-Synchronizität gibt. Denn momentan habe ich nicht das Gefühl, dass mir das Universum entgegenkommt. Aber andererseits, erkenne ich plötzlich, bedeutet Synchronizität ja nicht, dass ich immer das bekomme, was ich mir erhoffe, sondern manchmal bedeutet es, dass ich bekomme, was ich brauche…

Pause_
Pause?

Ich denke an die Themen von Woche 4 zurück, blättere noch einmal durch die Seiten und tatsächlich: Gleich im ersten Kapitel geht es um unsere Neigung, unsere Gefühle mit einem einfachen Es ist okay zu pauschalisieren und schlussendlich zu ignorieren. Und just befinde ich mich in einer solchen Situation und muss erkennen, dass es mir genauso geht. (Vielen Dank auch, liebes Universum! 😉 ) Ich merke, dass etwas nicht stimmt, aber ich renne weiter. Und stehe mir damit selbst im Weg…

Und wie schaut es bei Dir aus? Wie oft sagst Du Es ist okay, auch wenn es nicht so ist?
Wenn wir auf dem Weg des Künstlers weiterkommen wollen, wird es Zeit, genauer hinzufühlen (Ganz passend dazu Der Raum in mir mit dem Thema Durst).


Die Grundlage einer erfolgreichen Reise zur Kreativität ist unsere Verpflichtung dazu, unsere Abwehr zu sprengen und nicht mehr zu sagen: »Es ist in Ordnung«, wenn es das eigentlich nicht ist. Die Morgenseiten zwingen uns, eine andere Antwort zu finden.

Julia Cameron: Der Weg des Künstlers, S. 141f.


In dieser Phase der Erkenntnis ist die Versuchung groß, die Morgenseiten zu vernachlässigen, denn sie stoßen uns direkt auf unsere Probleme und beinahe schlimmer noch, sie zeigen uns oft auch die Lösung. Denn was ist, wenn Du mittels der Morgenseiten erkennst, dass Du in einer ungesunden Beziehung steckst, dass dein Job Dir die Luft zum Atmen nimmt oder dass Du unzufrieden bist, weil Du dich jeden verdammten Abend auf dem Sofa räkelst, statt tanzen zu gehen oder Sport zu treiben? Dann kommst Du nicht umhin zu erkennen, dass du all das ändern könntest.


Der Prozess der Selbst-Findung beinhaltet unweigerlich Gewinn und Verlust. Wir entdecken unsere Grenzen, und diese Grenzen trennen uns per definitionem von unseren Mitmenschen. Wenn wir Klarheit in unsere Wahrnehmung bringen, geben wir unsere falschen Vorstellungen auf. Indem wir die Mehrdeutigkeit eliminieren, befreien wir uns gleichzeitig von Illusionen. Wir erreichen Klarheit, und Klarheit erzeugt Veränderung.

Julia Cameron: Der Weg des Künstlers, S. 143.


Aber Veränderung ist nicht leicht. Sie kostet Kraft und oft tut sie weh. Und sie konfrontiert uns mit unseren Ängsten. Was, wenn ich mich trenne und dann nie wieder einen Partner finde? Kann ich meinen Job kündigen, ohne zu wissen, was ich als nächstes machen will? Was, wenn mich niemand zum Tanz auffordert?

Sag mal_Ist es noch weit
Sag mal, ist es noch weit?

Wenn wir uns verändern, dann geben wir Teile von uns auf, wir lassen sie zurück und wir trauern. Gleichzeitig erfahren wir ein neues Gefühl der Freiheit. Die plötzliche Vielfalt der Möglichkeiten ist gleichermaßen wunderschön wie überwältigend und wir fragen uns, wo finde ich da meinen Platz? Wo gehöre ich hin? Wer bin ich eigentlich? Es klingt völlig verrückt und beängstigend, aber dieses Gefühl der Unbestimmtheit ist Teil des Heilungsprozesses. Es sagt uns: Du bist auf dem Weg.


Indem wir unsere kreative Identität gewinnen oder wiedergewinnen , verlieren wir unser bisher aufrechterhaltenes falsches Selbst. Dieser Verlust kann sich traumatisch anfühlen: »Ich weiß nicht mehr, wer ich bin! Ich erkenne mich selbst nicht wieder!«

Je mehr Sie sich als Terra incognita fühlen, um so sicherer können Sie sein, dass Ihre Reise zur Kreativität Fortschritte macht. Sie sind Ihr eigenes gelobtes Land, Ihre eigene »New Frontier«.

Julia Cameron: Der Weg des Künstlers, S. 146.


Wir sind also mitten im Schaffensprozess. Wir erschaffen uns neu, sind unser wichtigstes Kunstprojekt. Vielleicht kennen wir das Endresultat noch nicht, aber ich finde, die Aussichten sind schonmal nicht schlecht.


I’m perfectly incomplete
I’m still working on my masterpiece…

You haven’t seen the best of me
I’m still working on my masterpiece…

Jessi J: Masterpiece


In diesem Sinne: Frisch ans Werk. Weitere Fortschritte gibt es ja vielleicht schon in Woche 5. 🙂

P.S. Hallelujah. Der Erkenntnis folgte ein funktionierendes Internet. 😀

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15 Gedanken zu “Woche 4: Über Lektionen vom Universum & die Arbeit am Meisterstück”

  1. Liebe Mo,
    noch einmal deutlich gesagt: ich ziehe wirklich den Hut vor deinem Durchhaltevermögen, das sich alles andere als „nur“ auf das Schreiben der Morgenseiten „beschränkt“, im besten Sinne verstanden und fokussiert, sondern eine schreibende Reise zu dir, in ihrem Urspung und ihren Aussagen und dem, was sie dir bedeuten und in dir und um dich herum (be)wirken, als Erkenntnis mit in deinen Alltag nimmst … Und dann ist das Internet da! 🙂
    Und da finde ich die Fotos der Schnecken so passend. Sie sind es, die mir immer wieder das von dir Geschriebene so deutlich vor Augen führen. Wie oft gehen mir Dinge nicht schnell genug, will ich mehr und davon noch mehr und bitte jetzt … Und genau dann brauchen alle Dinge des Universums länger und viel länger als jemals zuvor auf diesem Planeten … ALLE haben sich dann gegen mich verschworen …
    Immer dann, wenn ich das merke, trete ich bewusst auf die Bremse und da ist ein Café mit Internet ein genialer Ort, zum „Gang rausnehmen“ … Ich trinken meinen Kaffee und beobachte das Leben und wenn es sich dann endlich zu mir setzen kann, weil ich es wieder spüre und nicht dran vorbeilaufe, dann wird es besser …
    Danke für das Erinnern,
    liebe Grüße,
    Sabie

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    1. Liebe Sabie,
      vielen lieben Dank für deine ermunternden Worte! Es ist immer wieder schön, mein Erleben mit euch zu teilen und dann zu sehen, dass all diese Themen euch auch bewegen. Vielen Dank für das großartige Bild am Ende: „Ich trinken meinen Kaffee und beobachte das Leben und wenn es sich dann endlich zu mir setzen kann, weil ich es wieder spüre und nicht dran vorbeilaufe, dann wird es besser …“ Ich sehe es deutlich vor mir.
      Oh ja, die beiden süßen kleinen Schnecken, die waren definitv mein Fundstück der Woche und wirklich großartige und kooperative Fotomodels. 🙂
      liebe Grüße
      mo…

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  2. Liebe Mo…,
    nicht aufgeben! Das Universum hat dir das Internet geschenkt:) Auch ich hänge in meinem Künstlerweg-Zeitplan zurück, zweifle zwischendurch, denke ans Hinschmeißen und dann schau ich mir deine Beiträge an und bin beeindruckt. Von deinen Einsichten, Anregungen und nicht zuletzt deinen Fotos. Da seh ich eine Künstlerin.
    Hab ein schönes WE, ohne Zeitstress, gell? LG Amy

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    1. Liebe Amy,
      da bin ich glatt ein bissl gerührt. Dankeschön.
      Ans Aufgeben ist ja auch gar nicht zu denken, wenn ihr mich so schön anfeuert. Ich freue mich , dass wir alle so großzügig miteinander teilen und so auch miteinander und voneinander profitieren können. Eine hübsche Win-Win-Situation mit gelegentlichen Nervenzusammenbrüchen. 😉 😀

      lg. mo…

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  3. Liebe Mo,
    ich habe Woche drei und vier (bei Cameron) hintereinander gelesen, weil ich so fasziniert davon war, dass das wirklich so bei mir passiert ist: Die Wut war ein großes Gefühl zu meinem Handlungsimpuls im letzten Jahr: Am Ende des Jahres habe ich meinen Job aufgegeben. Es ist zuviel passiert, was mich immer wieder wütend gemacht hat. Es musste sich was verändern! Und im vollen Vertrauen, dass das der richtige Schritt ist, habe ich es jetzt einfach auf mich zukommen lassen. Und seit Anfang des Jahres geschahen die erstaunlichsten Dinge. Ich habe mir vorgenommen, einfach das zu tun, was mir vor die Füße gelegt wird, und siehe, das war ein guter Entschluss. Jetzt bin ich zur Zeit ganz glücklich und zufrieden mit meinem „zufälligen“ Leben, dass immer vom „Universum“ gesteuert wird. „Leichtigkeit führt zum Ziel“ schreibt J. Cameron (S. 132). Da ich das erlebt habe, traue ich mich jetzt mehr und bin wachsam für Synchronizität.
    Was Du über die Unzufriedenheit schreibst: Sie ist auch ein Wegweiser auf dem Pfad der Veränderung. Und zum „falschen Selbst“ kann ich nur das Buch von Richard Rohr empfehlen „Das wahre Selbst“ (https://www.goodreads.com/book/show/32809942-das-wahre-selbst). Cameron verspricht nicht, dass es uns immer gut dabei geht, in der Tat, weil es viel mit Loslassen von vertrauten Pfaden zu tun hat. „Vielleicht fühlen Sie sich unbeständig und wankelmütig. Sie sind es.“ (Cameron, S. 147). Vertraue Deiner Wahrnehmung!
    Ich freue mich über die weiteren Erkenntnisse auf Deinem Weg und wünsche Dir Mut und Zuversicht!

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    1. Liebe C.,
      ich freue mich für dich und bewundere das auch sehr, dass du den Mut gefunden hast, die vertrauten Pfade zu verlassen und dass es dir so gut damit geht und du die Unsicherheit als Teil der Reise akzeptierst. Ich habe gestern in Oshos Buch „Mut“ geblättert und musste gerade bei deinen Worten wieder daran denken. Osho schreibt: „Der Weg des Herzens ist der Weg des Mutes. Er bedeutet ein Leben in Ungewissheit, in Liebe, in Vertrauen, er bedeutet, dass man ins Unbekannte hineingeht, dass man die Vergangenheit hinter sich lässt und offen ist für die Zukunft. Mut bedeutet, gefährliche Wege zu gehen. Das Leben ist gefährlich und nur Feiglinge versuchen die Gefahren zu vermeiden – doch damit sind sie eigentlich schon tot. Ein Mensch, der lebendig ist, durch und durch lebendig und vital, geht immer ins Unbekannte. Das ist zwar gefährlich, aber dieses Risiko geht er ein. Das Herz ist immer bereit zu riskieren, das Herz ist ein Spieler. “
      Ich danke dir für deine ermutigenden Worte und für die Leseempfehlung.
      Liebe Grüße
      mo…

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  4. Liebe Mo…,
    ein Zitat, das mir vorkommt, als hättest du (oder als hätte Julia) es an diesem Tag nur für mich geschrieben:
    „Je mehr Sie sich als Terra incognita fühlen, um so sicherer können Sie sein, dass Ihre Reise zur Kreativität Fortschritte macht. Sie sind Ihr eigenes gelobtes Land, Ihre eigene »New Frontier«.“
    Vielleicht drucke ich es mir aus und hänge es mir an den Spiegel im Bad.
    Ich wünschte nur, ich könnte nicht nur meine Fremdheit mir selbst gegenüber spüren, sondern auch allmählich mal den Zuwachs an Kreativität — ja, wo bleibt er denn nur?
    Ganz kurz zu den Stolpersteinen/Verhinderungen in deinem Leben: du hast doch letztens meinen Astrologiebeitrag gelesen. Und um solche Phasen zu verstehen, wie diejenige, durch die du gerade gehst/gegangen bist (natürlich auch die guten, aber dann will man ja meist nichts verstehen, sondern es sich einfach gut gehen lassen), ist die (leider selten anzutreffende seriöse) Astrologie enorm hilfreich. Denn meist geht es ja um einen Lernprozess. Und es geht natürlich darum etwas zu lernen, was wir nicht lernen wollen, sonst müssten wir es ja nicht auf schmerzhafte oder unbequeme/unangenehme Weise lernen. Und vielleicht bestand dieser nicht so wahnsinnig schmerzhafte Lernprozess einfach darin, dass du mal vom Internet abgeschnitten sein musstest, um zu genau zu der Erkenntnis zu kommen, die du so gewonnen hast.
    Herzlich, Fe.

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    1. Ja, liebe Fe, genau zu dem Schluss bin ich auch gekommen. Es war eine kleine Lektion, die ich da erhalten habe. Die ich aber auch nur lernen konnte, weil ich offen geblieben bin für Julia Camerons Hypothese, dass uns das Universum auf unserem Weg wohlgesonnen beisteht. Natürlich war ich trotzig und genervt, aber ich habe mich dennoch gefragt, was nützt mir das alles, was kann ich daraus lernen und wurde so auf mich zurückgeworfen und im Schreiben darüber habe ich meine Antwort gefunden.
      Das bringt mich auf eine andere Frage, die du gestellt hast: Der „Zuwachs an Kreativität — ja, wo bleibt er denn nur?“ Diese Frage hat mich tatsächlich auch beschäftigt und ich werde vielleicht schon bei meinem Fazit für Woche 5 darauf zurückommen…
      Danke und liebe Grüße
      mo…

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  5. Liebe Mo,
    das tut richtig gut zu lesen! Ich erkenne da sehr viel von meinen eigenen Erfahrungen wieder. Manchmal muss sich das Universum gegen einen verschwören oder ein anderer Leidensdruck dafür sorgen, innezuhalten, sich nicht ständig selbst zu beschwichtigen, sondern etwas über sich selbst zu erkennen und dann (noch schwerer) zu verändern.
    Du sagst: „Aber Veränderung ist nicht leicht. Sie kostet Kraft und oft tut sie weh. Und sie konfrontiert uns mit unseren Ängsten.“ Dem kann ich nur zustimmen. Aber es lohnt sich.
    Die Schnecken verbildlichen diesen langsamen Prozess sehr gut – und sind auch fotografisch ein Meisterstück von dir!
    Bin schon gespannt auf deine Woche 5.
    Herzliche Grüße
    Ulrike

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    1. Liebe Ulrike,
      vielen lieben Dank! Eure ermutigenden Worte machen den Weg des Künstlers für mich zu einer schaffbaren Herausforderung. Ich empfinde den Austausch mit Euch als sehr inspirierend.
      Das Lob für die Photos gilt aber nicht nur mir selbst. Ich möchte vor allem auch dem Universum danken, dass es mir die Schnecken über den Weg geschickt hat und den beiden Schnecken, dass sie so freundlich waren, sich von mir photographieren zu lassen und dass sie dabei auch noch so hübsch ausgesehen haben. 😉

      Liebe Grüße
      mo…

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