Woche 1: Von Morgenseiten, Monstern & dem Künstlertreff

Seit über einer Woche wandle ich nun auf dem Pfad des Künstlers und hatte bereits mein erstes Check-in. Check-ins sind sozusagen wie die hübschen Holzbänke, die in regelmäßigen Abständen an Wanderwegen aufgestellt sind. Man lässt sich nieder, isst vielleicht einen Happen und denkt dabei noch einmal an den bereits geschafften Weg zurück.

Ich will ehrlich sein. Ich saß da mit gemischten Gefühlen, denn nicht allen Stationen auf dem Weg habe ich die notwendige Zeit und Aufmerksamkeit widmen können. Zwei oder drei habe ich eher wie man so schön sagt mit dem halben Arsch erledigt. Insofern bin ich noch nicht ganz zufrieden mit mir, aber mein schlechtes Gewissen hält sich dennoch in Grenzen. Mein Fazit daraus ist vor allem, dass ich mir diese Woche für die neue Etappe noch etwas mehr Zeit einplanen will. Den Zeitaufwand hatte ich schlichtweg unterschätzt. 

Viel wichtiger ist im Übrigen, dass ich gleichermaßen erstaunt über wie stolz auf mich bin, denn die für mich härteste Aufgabe, die die nächsten Wochen täglich ansteht, habe ich knallhart durchgezogen: die Morgenseiten.

Das bedeutet, dass ich jeden Morgen eine halbe Stunde früher als üblich aufstehe, den Stift zücke und 3 A4-Seiten vollschreibe. Weder das Aufstehen noch das nahtlose Schreiben in der Menge fallen mir leicht, aber oben im Bild siehst Du 14 bunte Punkte, für jeden gemeisterten Morgen seit 14 Tagen einen. Du siehst also, ich meine es ernst, denn ich habe mit dieser Aufgabe sogar schon eine Woche vor dem entgültigen Start des Programmes begonnen…

Wie Du dir vielleicht denken kannst, beginnen die Seiten beinahe täglich mit den Worten Guten Morgen liebe Morgenseiten, ich bin verdammt müde…”, aber das ist okay, denn ähnlich wie beim Freewriting (recht lustig dazu: ein Selbstversuch von Jochen Mai) geht es weniger um den Inhalt als vielmehr darum, zuerst einmal einfach zu schreiben, denn die Effekte folgen irgendwann von selbst. Die Morgenseiten sind, wenn man so will, eine Art der Hingebung und Meditation. Sie weisen uns einen Weg in unser Inneres, wo wir sowohl Erkenntnis erfahren, als auch die Kraft finden werden für notwendige Veränderungen auf unserem Weg.

Eine enorm wichtige Erkenntnis, die das Schreiben der Morgenseiten bewirkt, ist das Auffinden der negativen Glaubenssätze, die uns bisher zu dem gemacht haben, was Julia Cameron Schattenkünstler nennt. Schattenkünstler sind Künstler, denen quasi der Mut fehlt, ihr Geburtsrecht durchzusetzen.


Sehr oft macht Kühnheit und nicht Talent den einen zum Künstler und den anderen zum Schattenkünstler.

Julia Cameron: Der Weg des Künstlers, S. 60.


Diese negativen Glaubensätze zu finden und ihren Verursachern, die Julia Cameron Monster nennt, auf die Schliche zu kommen, ist eine weitere Aufgabe der ersten Woche. 

Ein paar dieser Glaubenssätze habe ich in meinen vorangegangenen Post ja schon erwähnt: Wir können doch nicht alle Künstler sein oder ich habe kein/ nicht genug Talent zum Beispiel.

Andere könnten sein, dass es nicht vernünftig ist, sich der Kreativität hinzugeben, weil man damit nicht genug für seinen Lebensunterhalt verdient. Vielleicht denkst Du auch, dass es egoistisch wäre, sich der Kunst zu widmen oder das man sowieso nur ein guter Künstler sein kann, wenn man Drogen und Alkohol nimmt…

So vielfältig wie wir Menschen so individuell sind auch die Glaubensätze mit denen wir uns selbst blockieren. Doch wer hat uns diese Sätze eigentlich eingeimpft?
Oft waren es die Eltern, die lieber wollten, dass ihre Kinder etwas Vernünftiges machen oder eine Lehrkraft, die unsere ersten kreativen Versuche als unzureichend bewertet hat oder Schulkameraden, die sich über unsere ersten Reim-Versuche lustig gemacht haben…

Auch die Monster-Galerie ist eben für jeden individuell anders…

Wer meine Monster waren? Ohje, diese Frage ist wirklich sehr persönlich, deshalb werde ich Dir vielleicht nicht alle verraten. Ich kann aber schon mal sagen, dass es weder meine Eltern noch meine Lehrer waren, ganz im Gegenteil sogar. Also, Mama und Papa, ihr könnt wieder aufatmen. ☺

Einige meiner Monster sind institutioneller Natur gewesen. Ich habe z.B. als Jugendliche Texte bei Wettbewerben eingeschickt und diese wurden nicht berücksichtigt. Mein logischer Fehlschluss war, dass ich nicht gut genug bin. Heute habe ich selbst in solchen Jurys gesessen und weiß, wie willkürlich teilweise die Entscheidungen für oder gegen einen Text getroffen werden. Da bräuchten nur ein paar andere Leute sitzen und schon würde wahrscheinlich ein anderer Text gewinnen… Insofern mein dringlichster Tipp: Lass Dir bloß niemals durch die Bewertungen anderer die Freude an deinen kreativen Arbeiten nehmen! Vertraue dir selbst!

Apropos Freude, ich will Dir noch von der der zweiten Aufgabe erzählen , die neben den Morgenseiten Teil des Standard-Programmes ist. Sie nennt sich Künstlertreff. Der Künstlertreff ist ein ca. 2-stündiges wöchentliches Date mit Dir und deiner inneren Künstlerin/ deinem inneren Künstler, ansonsten darf keiner mit. Genauso wie übrigens keiner deine Morgenseiten lesen darf. Beides dient der intimen Verbindung zwischen Dir und deinem Künstler*Innen-Ich.

Bei meinem ersten Date habe ich mit meiner inneren Künstlerin einen Einkaufsbummel unternommen. Wir haben uns bunte Ordner, Stifte, Flamingo-Aufkleber und die neonfarbenen Morgenseiten-Belohnungspunkte gekauft und waren dann noch gemeinsam einen Elephant-Vanilla-Chai trinken und haben vom Fenster aus Leute beobachtet. Ich finde, das war ein ein guter Einstieg.

Wo würdest Du denn zu solch einem Date hingehen? Ich habe ja noch 11 Wochen vor mir und freue mich auf ein paar zusätzliche Ideen. Eine Inspiration habe ich schon unter den Schreiborten auf dem Blog meiner Kommilitonin Hedda gefunden: Ich glaube, wir werden uns auf jeden Fall auch einmal in unseren Dom setzen…

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28 Gedanken zu “Woche 1: Von Morgenseiten, Monstern & dem Künstlertreff”

  1. Liebe Mo…, Morgenseiten schreibe ich ungefähr seit dem Beginn des BKS-Studiums (wenn ich wie heute um sieben in den Weinberg muss, fallen sie aus …). Ich wusste allerdings nicht, dass sie zum Auffinden der negativen Glaubenssätze gedacht sind. Doch wenn ich in meinen Heften zurückblättere, sind die Texte gespickt von Gedanken wie „Warum krieg ich mein Leben nicht auf die Reihe?“. Danke für die Erkenntnis! Umso interessierter werde ich Dir jetzt in den kommenden Wochen folgen. Vielleicht ist das auch mein Weg?
    Übrigens, in Erfurt lege ich mich gerne auf eine der Wiesen auf dem Petersberg. Wer das was für ein Date?
    LG Amy

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    1. Liebe Mo,

      ich finde die Idee, dem Weg des Künstlers nachzuspüren grandios. Weißt du, was meine Lieblingsschummeltätigkeit beim Morgenseiten schreiben ist? Ich schreibe riesig groß, damit die Seite schnell voll ist und dann? Dann wird mein Schreibstil panikartig winzig klein, weil ich doch nicht will, dass meine so kostbare Schreibzeit so schnell zu Ende geht ….

      Und zum Künstlertreff bin ich tatsächlich inzwischen durchs bloggen einmal die Woche an meinem neuen Schreibort verabredet – das fühlt sich gut an !

      Die Geschichte mit dem Aufspüren negativer Glaubenssätze kannte ich auch nicht, werde sie aber nochmal verfolgen – ganz sicher.

      Beste Grüße
      Hedda

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      1. Liebe Hedda,

        nein, geschummelt wird bei mir nicht, nur furchtbar gekrakelt und geschusselt. Da kommen schon manchmal seltsame Wortschöpfungen raus, wenn das Hirn zu sehr vorauseilt und die Hand nicht hinterher kommt. 🙂
        Stimmt, durch dein Blogthema hast Du den Künstlertreff quasi inklusive. Allerdings geht es dabei nicht nur ums schreiben oder kreativ sein, sondern auch darum, sich ganz bewusst und nur für sich Dinge zu gönnen, die man vielleicht schon lange nicht mehr gemacht hat, z.B. mal ins Kino gehen, allein in die Disko oder so…

        Liebe Grüße
        mo…

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    2. Liebe Amy,
      Du schreibst also auch Morgenseiten… Dann bin ich schon gespannt, welche neuen Erkenntnisse Du für dich dadurch gewinnst, falls Du mir bei Gelegenheit mal davon erzählen magst. Ich weiß nicht, ob die Morgenseiten dazu da sind, negative Glaubensätze aufzuzeigen, aber es ist definitiv ein Effekt von ihnen… Julia Cameron sagt, bei den Morgenseiten geht es in erster Linie darum zu senden, also dem Universum (das ist mein bevorzugter Titel für die Schöpferische Kraft um uns) unsere Gedanken, Wünsche, Sorgen, Zweifel etc.pp. mitzuteilen. Beim Künstlertreff geht es dann darum zu empfangen… also die Kreativität in sein Leben zu lassen. Ich glaube, auf den Wiesen vom Petersberg ist der Empfang bestimmt super. Also danke Dir für Deinen Tipp!
      Liebe Grüße
      mo…

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      1. Liebe Mo…, ich verstand die Morgenseiten bislang als Versuch den Kopf frei zu kriegen von unnötigem Ballast. Und dann hab ich Platz für frische Gedanken. Sooo unterschiedlich finde ich das gar nicht. Ich merke nur, ich muss mir unbedingt das Buch besorgen. Frohes Empfangen und lG, Amy

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  2. Liebe Mo,
    alleine für 14 Tage Morgenseiten hast du meine Hochachtung, wow, ich habe das nur mal im Urlaub drei Wochen am Fast-Stück geschafft…stolpere auch immer wieder darüber, endlich mal den Tag mit Schreiben zu beginnen, vielleicht liegt es daran, dass derzeit die Nacht, mit der ich den letzten Tag beende zu nah am nächsten bzw. dann heutigen Morgen liegt …
    Schattenkünstler finde ich einen spannenden Aspekt und eine sehr treffende Bezeichnung, wen oder was lassen wir nicht-schreibend im Schatten liegen …
    Orte zum Schreiben. Immer wieder Cafés, nicht die üblichen piekfeinen, sondern die, die eher gemischt sind vom Publikum, gerne Studentenkneipen, in denen du stndenlang sitzen, schreiben, Kaffee trinken und Leute gucken kannst oder einfach vor der ASH auf der Bank, da triffst du immer jemanden, der mindestens eine Geschichte mit euch beiden teilt,
    dir noch eine gute Nacht und morgen gute Morgenseiten,
    liebe Grüße,
    Sabine

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    1. Liebe Sabine,
      einen neuen und spannenden Ansatz bringst Du da mit rein: „wen oder was lassen wir nicht-schreibend im Schatten liegen…“ Denn im eigentlichen Sinne meint Julia Cameron mit dem Begriff „Schattenkünstler“, dass diese sich selbst in den Schatten stellen, oft in den Schatten eines anderen Künstlers, der seine Kreativität auslebt. Dennoch hat das ja natürlich auch einen Grund, nämlich die negativen Glaubenssätze, mit denen wir uns ja nicht auseinandersetzen, wenn wir nicht schreiben, insofern ergänzt dein Ansatz das Bild perfekt.
      Beim Künstlertreff geht es übrigens nicht nur ums Schreiben, also darum Schreiborte zu finden, sondern sich selbst schöne Dinge zu gönnen… sich auf eine Schaukel setzen und schaukeln, sich selbst zu einem Museumsbesuch ausführen etc.

      Liebe Grüße
      mo…

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  3. Liebe Mo…,
    Meine Morgenseiten sind bisher eigentlich Traumseiten. D.h. ich schreibe mir morgens unmittelbar nach dem Aufstehen meine Träume der Nacht auf. Das passiert nicht jeden Morgen, aber ich träume oft und kann die Träume auch gut erinnern, jedenfalls noch am Morgen, bevor dann der Alltag wieder Raum einnimmt. Inzwischen habe ich bereits mehrere dieser Traumbücher gefüllt und blättere immer wieder gern darin. Manchmal bin ich überrascht, weil mir die aufgeschriebenen Träume inzwischen völlig entfallen sind. Sowohl beim Schreiben, als auch beim Lesen dieser Träume bin ich mir sehr nah.
    Ich habe nun endlich Julia Camerons Buch aus der hintersten Regalecke hervorgeholt und abgestaubt. Die Seiten sind irgendwie schon ganz vergilbt. Ich werde mich nun mal auf den Weg machen und danke Dir ganz herzlich für diese „Wegweisung“.
    Liebe Grüße
    Anne

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  4. Liebe Anne,
    wenn ich mich denn mal an meine Träume erinnern kann, mache ich das mittlerweile auch wieder, weil die oft so schön skurril sind, aber in letzter Zeit passiert mir das leider sehr selten.
    Es freut mich, wenn ich Euch Lust mache, euch auch auf den Weg zu begeben, denn das gibt natürlich einen Menge Anlässe, sich immer mal wieder darüber auszutauschen. 🙂

    Liebe Grüße
    Mo…

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  5. Liebe Mo…, was mich mal interessieren würde: wann die Morgenseiten anfangen nicht mehr nur Qual zu sein oder Pflicht, sondern wann bewirken sie das, was sie eigentlich bewirken sollen (abgesehen vom Auffinden der Monster, was mir bis jetzt auch noch nicht so klar war)? Also wann lösen sich durch sie die unbewussten Blockaden auf, damit man in den schönsten, zufriedenstellendsten Schreibfluss gerät, bei dem alle Monster sich in nette Vögelchen verwandelt haben, die einem die Inspirationen nur so zuzwitschern? Wenn das bei dir eintrifft, dann stelle ich mir zukünftig auch den Wecker eine halbe Stunden früher und lege wieder los damit.
    Ich habe die Morgenseiten vor vielen Jahren leider nicht länger als zwei Wochen durchgehalten und das hat wohl nicht gereicht.
    Was mich persönlich an deinem Vorhaben so anspricht und ermutigt und auch inspiriert, ist die Tatsache sich überhaupt der Künstlerin in sich zu widmen, diese zu hegen, zu pflegen und zu füttern. Sonst tut´s ja keiner.
    Und was den Künstlertreff angeht: bei mir regen Museumsbesuche und Tanzveranstaltungen immer sehr viel an, weil Kunst und Tanz Ausdrucksformen sind, die ohne Sprache auskommen und daher soviel freisetzen. Vielleicht wäre das also was?
    Lasst es euch gut geht — du und deine Künstlerin!
    Feodora.

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    1. Liebe Feodora,
      vielen lieben Dank für deinen anregenden Kommentar. Ich habe mich in einer meiner letzten Morgenseitensessions mal mit deiner Frage auseinandergesetzt und muss für mich feststellen, dass ich sie nicht als Qual empfinde. Ja, manchmal schreibt es sich etwas zäh und ich habe das Gefühl, nur langsam vorwärts zu kommen, aber dann thematisiere ich das zum Beispiel gleich und so löst sich dieses Gefühl auch wieder… Ähnlich läuft das auch mit den Blockaden. Wenn ich während des Schreibens einen blockierenden Gedanken bemerke, schreibe ich ihn auf, beäuge ihn von allen Seiten, frage mich, wo er her kommt, welche (positive) Intention er hat und durch diese Auseinadersetzung wird er weniger bedrohlich… Vielleicht kann ich dne ein oder anderen sogar mit einem Augenzwinkern betrachten. Julia Cameron meint, das es für die volle Entfaltung aller Effekte schon seine Zeit und damit Durchhaltevermögen braucht, bei dem einen oder der anderen kann es auch bis zu Monaten dauern, aber das ist es wohl wert…
      Sich wirklich bewusst Zeit zu nehmen und die innere Künstlerin „zu hegen, zu pflegen und zu füttern“, das ist auch für mich eine sehr wertvolle Erkenntnis. Ich danke dir für die Tipps dazu!
      Liebe Grüße
      mo…

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      1. Liebe Mo…,
        dazu noch eine Anmerkung (oder Frage?): Als ich vor Jahren Morgenseiten schrieb (und es eben als irgendwas zwischen Qual und Pflicht empfand), befand ich mich gerade in einer Phase, in der ich ohnehin recht produktiv war. Während ich also die Morgenseiten mit gefühlt Unwichtigem füllte, hatte ich dabei immer das Gefühl, dass ich doch viel besser diese Zeit nutzen sollte, um an einem „richtigen“ Text zu schreiben. Es kam mir also vor, als würde ich jeden Morgen eine halbe Stunde Schreibzeit verlieren, um nicht zu sagen: vergeuden.
        Was denkst du, würde Julia Cameron darauf sagen? Dass dieses Denken zu sehr an Effizienz orientiert sei? Dass ich weiterschreiben müsste, vielleicht eben Monate lang, bis ich solche (ja irgendwie zwanghaften, nämlich zwanghaft auf Produktivität ausgerichteten) Gedanken nicht mehr hätte?
        Ich frage das dich, weil ich dich jetzt als meine Expertin ansehe — und weil ich damals aufgehört und auch das Buch schließlich weggeben habe als für mich völlig abwegig und nicht erfüllbar. Das ging ja weiter mit dem Künstlerinnentreff einmal die Woche. Das alles hat soviel Zeit gekostet, und ich hatte das Gefühl bei soviel Aufpäppeln meiner inneren Künstlerin, bleibe nachher einfach keine Gelegenheit mehr, der Kreativität zu huldigen, die mir doch schließlich auch einen Teil meines Lebensunterhalts sicherte.
        In all den Jahren habe ich mit diesem Thema nie ganz abgeschlossen, fühle mich heute irgendwie noch schuldig, dass ich damals so früh aufgegeben habe, und vielleicht findest du ja zwischen Morgenseiten und Künstlerinnentreff noch Zeit für eine Antwort 😉
        Liebe Grüße von Fe.

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        1. Liebe Feodora,
          ich verstehe die Morgenseiten mittlerweile als Geschenk, auch wenn sie mit Arbeit verbunden sind. Es gibt für sie ja im nur 4 Regeln: schreibe sie täglich; schreibe 3 Seiten; schreibe, was dir in den Kopf kommt; bewerte nicht, was du schreibst, sondern nimm es einfach wahr… Im Prinzip kannst du also auch in der Zeit eine Geschichte schreiben, solang du es einfach fließen lässt… Insofern hast du vielleicht recht, wenn du vermutest, dass dir damals das Produkt wichtiger war als der Prozess, so dass du dir vielleicht auch die Chance genommen hast, etwas (über dich) dazu zu lernen. Aber ich denke, Du solltest deswegen keine Schuldgefühle haben. Du kannst es doch jeder Zeit wieder versuchen. 😉 Und was den Künstlertreff betrifft, sich selbst etwas Gutes zu tun, ist denke ich niemals Zeitverschwendung, weil es nimmt vielleicht Zeit in Anspruch, macht dich auf Dauer aber produktiver, weil es deine Batterien auflädt und dir neuen Imput verschafft, außerdem ist es gut für das Selbstwertgefühl. Gleichwohl stimme ich dir zu, dass das Programm schon auch einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Ich habe daher für mich schon beschlossen, es etwas entspannter anzugehen und z.B. nicht jede der zusätzlichen Aufgaben schaffen zu müssen. Da wähle ich mittlerweile aus, worauf ich Lust habe. Kreativität ist ja auch Spiel. Und ich sehe es als meine Verantwortung, mir diesen spielerischen Ansatz zu erhalten und mich daran zu erinnern, dass das etwas ist, wofür ich mich entschieden habe, das ich machen WILL, woran ich Spaß habe. Und damit achte ich darauf, dass es nicht zu einem MUSS wird… Denn sonst hätte ich sicher keine Freude mehr daran.
          Ich hoffe, das hilft dir weiter. 🙂
          lg. mo…

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  6. Ich kannte das Buch von Julia Cameron nicht. Dein Blog, liebe Mo…, macht mich sehr neugierig auf diesen spirituellen Pfad und ich freue mich, dass du mich/uns/andere an deinem Weg teilhaben lässt. Und du hast meinen aufrichtigen, tiefen Respekt für das knallharte Durchziehen der Morgenseiten. Ich bin soooo ein riesiger Morgenmuffel und eine halbe Stunde früher aufstehen…. WOW – und du weißt gar nicht, wie viel Bewunderung in diesem WOW steckt! Wären Nachtseiten eine Alternative? (Ich ahne die Antwort…). Und noch ein weiteres Kompliment: Dein Kreativitätsvertrag gefällt mir außerordentlich gut. 🙂

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    1. Liebe Sabine,
      ich danke dir gar sehr für deine motivierenden Worte.
      Ich freue mich über jeden Mitreisenden sehr, denn ich lerne ja auch durch eure Anregungen und Fragen noch mehr dazu.
      Ich denke, Nachtseiten wären am Ende auch okay. Vielleicht sind die Effekte andere… Ein Leitsatz von Julia Cameron ist: „Großer Schöpfer, ich werde auf die Quantität achten. Achte Du auf die Qualität.“ Das impliziert ja, dass es am allerwichtigsten ist, überhaupt (viel) zu schreiben…
      Liebe Grüße
      mo…

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      1. Danke für deine Antwort, Mo… Ja, das klingt plausibel. Ich habe mich unter Druck gesetzt und das „Programm“ als Programm gesehen, nicht als Angebot und/oder Chance. War mal wieder zu verbissen bei der Sache und freue mich jetzt bei dir zu verfolgen, wie es weitergeht. Herzlich, Fe.

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  7. Liebe Mo,
    der Weg des Künstlers als Blog – schon um diese Idee beneide ich Dich! Ich habe das Buch seit Weihnachten und habe die erste Woche bearbeitet. Dann kam es anders als geplant…
    Ich habe bereits im letzten Jahr Morgenseiten geschrieben, als ich eine schwierige Entscheidung vor mir hatte . Ich habe einfach jeden Morgen geprüft, was ich an dem Tag dazu denke, fühle, …
    Und seit Anfang Februar schreibe ich sie wieder. Manchmal werden mir die 3 Seiten auch lang (puh, was schreib ich bloß? Noch eine Seite…). Manchmal sind es nur lästige Listen, was ich alles zu tun habe. Manchmal entwickelt sich etwas beim Schreiben. Ich mag diese Zeit am Küchentisch nach dem Frühstück sehr gerne. Es ist meine Zeit für meine Gedanken. Ungestört bei einer Tasse Tee. Ich habe Julia Cameron so verstanden, dass es quasi das Training des Schriftstellers/der Schriftstellerin ist: Warmschreiben, Worte und Sätze formulieren, Sprachmaterial produzieren. Einfach einen Fundus an Text haben. Und dann soll man wochen- oder gar monatelang nicht darin lesen. Auch um sich selbst vom Produktionsdruck zu befreien.
    Ich hatte mir für meine Künstlertreffs überlegt, dass ich Aktivitäten, die ich sowieso vorhabe, einfach mit der Künstlerin-Brille ansehe und dazu schreibe, z.B. meine Improtheatergruppe oder ein Workshop zum biografischen Theater, den ich besucht habe. Oder ein Gottesdienstbesuch oder eine Weinprobe. Alles kann künstlerlich inspirierend sein.
    Ich bin sehr gespannt auf Deine weiteren Erfahrungen und hätte nicht schlecht Lust, das Buch mit Dir parallel zu bearbeiten. Aber ob ich das schaffe nebem meinem Blog-Projekt?
    Liebe Grüße
    C.

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    1. Liebe C.,
      stimmt, mir geht es mit den Morgenseiten ähnlich, mal sind sie etwas zäh, mal purzelt es aus mir heraus, mal mal ist es reine Reflektion, mal ein Bericht über den vorangegangenen Tag und mal das Spielen mit einer Idee.
      Ich mag am Künstlertreff ja, dass man sich animiert, Dinge zu tun, die man schon immer mal oder schon lange mal wieder machen wollte… Aber für eine volle Woche finde ich Deine Idee sehr hilfreich, etwas, das man sowieso vor hat, mal als Künstlertreff zu machen, also mit dem Künstlerauge wahrzunehmen. Also vielen lieben Dank dafür!
      Beides zu machen, also das Künstler-Programmm plus bloggen, dafür solltest Du dir wirklich viel Zeit nehmen. Für mich ist tatsächlich der Zeitaufwand das, womit ich am meisten kämpfe… Aber zum Glück bekomme ich von Euch ja viele motivierende Feedbacks. 🙂

      lg. mo…

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      1. Liebe Mo…,

        endlich tummle auch ich mich mal als aktive Kommentatorin auf Deinem wundervollen Blog… Und bin echt begeistert davon! Das Thema betrifft uns BKS-lerInnen ja wohl alle auch ziemlich direkt, die IKS lässt grüssen (abgesehen davon, dass es eigentlich jeden Menschen betrifft…). Schon von Deiner ursprünglichen Idee, den Zeichen zu folgen, die Dir die Welt aufgeben, war ich total angetan; eine ähnliche Formulierung bei Aufgabe 3 im Lehrbrief zum Kreativen Schreiben im letzten Semester hatte mich auch bereist stark angezupft… Und ich werde mir in diesem Moment gewahr, dass ich schon länger keine Zeichen mehr wahrgenommen habe, nachdem sie vor einem Jahr plötzlich gehäuft aufgetaucht waren; wohl bin ich im Moment etwas zu gestresst unterwegs… Auch von mir ein grosses Kompliment für Deinen Selbstvertrag, Dein Blog ist auch visuell wirklich ein Genuss! Zu einem geeigneten Date-Ort muss ich mir noch Gedanken machen…

        Vielen Dank für die Eröffnung dieser schönen Welt!

        Herzlich, Ella

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        1. Liebe Ella,
          herzlich willkommen in der illustren Riege der Kommentaror*Innen und vielen Dank für Deine belebenden Worte. 🙂
          Ich freue mich jedenfalls, wenn du mit mir auf die Reise gehst und vielleicht fühlst Du dich ja auch angeregt, hier und da ein Päuschen zu machen, so dass du etwas zur Ruhe kommst und wieder offen für die Zeichen um dich herum wirst…
          lg. mo…

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  8. Liebe Mo,
    Ich danke Dir für das Monster! Ich habe Anfang Jahr eine zeitlang auch Morgenseiten geschrieben, aber wegen meines mir immer unerträglicher werdenden Lamentierens (gut, ich bin nunmal überhaupt kein Morgenmensch!) wieder aufgehört. Jetzt fahre ich aber fort. Weil ich das doch sehr wichtig finde, zu erkennen, was für negative Glaubenssätze ich verinnerlicht habe.
    Und gehe dann sogleich mit einer Künstler*in spazieren 🙂
    Herzlich, Urs

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    1. Ja, die Morgenseiten können uns eine Menge offenbaren. Jetzt in Woche 4 wird das nochmal stärker von J.C. thematisiert…
      Spazierengehen ist auch eine schöne Form des Künstlertreffs. Steht auch auf meiner Wunschliste, sobald es mal wieder über 10°C ist. 😉
      lg. mo…

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